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75 Jahre Universitätszentrum Obergurgl

Außenstandort der Uni Innsbruck auf knapp 2.000 Metern feiert Jubiläum

Das Universitätszentrum Obergurgl liegt auf 1.940 m.
© Universität Innsbruck/Fessler
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Seit 75 Jahren ist das Universitätszentrum Obergurgl als Außenstelle der Universität Innsbruck ein wichtiger Pfeiler in der Profilierung der Innsbrucker Universität im Bereich der Gebirgsforschung. Langzeitmessungen an Gletschern und sich wandelnde Ökosysteme in den Ötztaler Alpen lieferten schon früh Belege für den Klimawandel. Als Forschungs- und Ausbildungsstätte ermöglicht das Zentrum Wissenschaftler:innen und Studierenden eine Basis für Forschung auf höchstem Niveau und wird vielfach für internationale Konferenzen genutzt.

Seit 75 Jahren ist das Universitätszentrum Obergurgl als Außenstelle der Universität Innsbruck ein wichtiger Pfeiler in der Profilierung der Innsbrucker Universität im Bereich der Gebirgsforschung. Langzeitmessungen an Gletschern und sich wandelnde Ökosysteme in den Ötztaler Alpen lieferten schon früh Belege für den Klimawandel. Als Forschungs- und Ausbildungsstätte ermöglicht das Zentrum Wissenschaftler:innen und Studierenden eine Basis für Forschung auf höchstem Niveau und wird vielfach für internationale Konferenzen genutzt.

Im Jahr 1951 wurde in drei leerstehenden Zollhäusern knapp oberhalb von Obergurgl die Alpine Forschungsstelle der Universität Innsbruck sowie ein Bundessportheim eingerichtet. Ziel war es, „Alpinismus, alpinen Skilauf und Wissenschaft im und vom Hochgebirge mit Gästen aus allen Ländern Europas und allen Erdteilen zu pflegen“, hielt der damals an der Universität Innsbruck tätige Gründer der Forschungsstelle, Wolfgang Burger, fest.

„Dieser Aufgabe kommt die Universität Innsbruck an diesem einzigartigen Standort bis heute nach. Durch die ideale geografische Lage in den Ötztaler Alpen wurde hier schon früh mit Hochgebirgs- und Klimaforschung begonnen – mit Ergebnissen, die international repliziert wurden und werden“, betonte die Rektorin der Universität Innsbruck, Veronika Sexl, im Rahmen der Jubiläumsfeier am 9. April 2026 in Obergurgl. „Heute nimmt die Universität Innsbruck eine weltweit führende Rolle im Bereich der Gebirgsforschung ein. Ein Erfolg, der auch auf die exzellente Forschungsinfrastruktur in Obergurgl zurückzuführen ist“, hob Sexl die Bedeutung des Universitätszentrums hervor.

„Von Beginn an stellte die Alpine Forschungsstelle Obergurgl eine wertvolle Ergänzung der Universität Innsbruck dar und war nicht zuletzt aufgrund ihrer Lage prädestiniert für alpin-wissenschaftliche Fragestellungen, vor allem im naturwissenschaftlichen und (sport-)medizinischen Bereich“, so Nikolaus Schallhart, wissenschaftlicher Koordinator der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl.

Die wissenschaftliche Infrastruktur wird sowohl von Innsbrucker Forschenden als auch von internationalen Wissenschaftler:innen genutzt. Des Weiteren führen zahlreiche große Konferenzen und Tagungen jährlich Forschende aus der ganzen Welt nach Obergurgl – etwa die Internationale Konferenz für Quantenoptik. Auch im Bereich der universitären Lehre und Wissenschaftsvermittlung spielt das Universitätszentrum eine zentrale Rolle: Regelmäßig werden Workshops, Seminare, Winter- bzw. Summer-Schools sowie wissenschaftliche Exkursionen angeboten und Projektarbeiten durchgeführt.

Naturwissenschaft auf knapp 2.000 Metern

Seit der Eröffnung der Forschungsstelle 1951 dokumentieren Naturwissenschaftler:innen die Flora und Fauna im Einzugsgebiet der Gurgler Ache, untersuchen Ökosysteme und zeichnen Veränderungen auf. Bereits in den Anfängen der Forschung zum Klimawandel stellte man fest, dass einzelne Pflanzenarten mit steigenden Temperaturen in höhere Gebirgslagen wandern. Fester Bestandteil der Forschung in Obergurgl sind außerdem Sukzessionsstudien in Gletscherrückzugsgebieten, die die Ansiedelung von Pflanzen und Tieren in dem brach liegenden Gelände verfolgen. Aktuell gibt es 20 Beobachtungsflächen, auf denen die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt langfristig dokumentiert wird.

Die Alpine Forschungsstelle verfügt über ein weitreichendes Messnetz, das sich über verschiedene Standorte zwischen 1.900 und 2.800 Metern Höhe erstreckt. Es besteht aus zwei Wetterstationen im Rotmoostal, elf kleineren Messstationen, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte erfassen, sowie einer Pollenfalle. Außerdem gibt es eine Messstelle an der Rotmoosache, die Wasserstand und Wassertemperatur überwacht. Dazu kommen Untersuchungen am Blockgletscher im äußeren Hochebenkar (seit 1938). Viele der Langzeitmessreihen sind in das Austrian Long-Term Ecosystem Research Network (LTER-Austria) eingegliedert.

Die Moorlandschaft im Rotmoostal steht seit jeher im Interesse der Wissenschaft: In den Torfböden entdeckten die Innsbrucker Mikrobiologen Walter Gams und Ernst Leitner 1959 den Mikropilz Tolypocladium. Das darin enthaltene Cyclosporin wird in der Transplantationsmedizin zur Minderung von Abstoßreaktionen eingesetzt.

Im Bereich der Medizin beschäftigte man sich in der Alpinen Forschungsstelle in den 1950er- und 1960er-Jahren außerdem intensiv mit den medizinischen Auswirkungen der Höhenlage auf den Körper und untersuchte die Akklimatisationsleistung im Hochgebirge sowie die Bedeutung von Wärme (Sauna) und Kälte bei der Regeneration nach sportlicher Betätigung.

Zentrum für Wissenschaft und Gastbetrieb

2004 erfolgte unter dem damaligen Vizerektor für Forschung Tilmann Märk eine Neuausrichtung des Universitätsstandortes als internationales Sport-, Forschungs- und Konferenzzentrum. Die Zollhäuser wurden im Rahmen der Bestimmungen des Denkmalschutzes erneuert. Es entstanden mehrere Hörsäle und Seminarräume, eine Bibliothek und neue Laboreinrichtungen. Zur Unterbringung und Verpflegung der Gäste stehen heute 43 Zimmer mit 90 Betten, zwei Speisesäle, eine Bar, eine Kaminstube und ein Saunabereich zur Verfügung. Zahlreiche internationale Kongresse profitieren von dem einzigartigen Standort und der vorhandenen Infrastruktur. Zusätzlich wird das Seminarzentrum für außeruniversitäre Fortbildungen genutzt und auch private Aufenthalte sind möglich.

Kunst- und Architekturinterventionen zum Jubiläum

Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums haben Forscher:innen der Alpinen Forschungsstelle gemeinsam mit dem Institut für Kunstgeschichte eine Ausstellung konzipiert, die historische Herbarbelege (getrocknete Pflanzenexemplare), Pflanzengemälde (angefertigt von Hugo M. Schiechtl in Obergurgl) und Werke aus der Kunstsammlung der Universität Innsbruck umfasst. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Universitätszentrums, spannt den Bogen bis in die Gegenwart und stellt gesellschaftskritische Fragen – etwa zur Entwicklung des Tourismus in Tirol. Als Wanderausstellung ist sie das ganze Jahr in mehreren Orten im Ötztal und in Innsbruck zu sehen (hier geht es zur Terminübersicht). Eine Studierendengruppe der Fakultät für Architektur arbeitet aktuell die Geschichte des Universitätszentrums auf und macht diese im Inneren der denkmalgeschützten Zollhäuser sichtbar.

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© Archiv Universitätszentrum Obergurgl
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Kontakt

Nikoluas Schallhart

Nikolaus Schallhart
Wissenschaftlicher Koordinator
Alpine Forschungsstelle Obergurgl
Dekanat für Biologie, Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 51053
E-Mail: klaus.schallhart@uibk.ac.at

Anna Maria Huber
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 32023
E-Mail:  anna.huber@uibk.ac.at