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Die Geburtsstunde Europas neu gedacht: Athen und der Erste Perserkrieg

Die Darstellung zeigt ein Duell zwischen einem persischen (links) und einem griechischen Krieger.
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Julian Degen, Althistoriker an der Universität Innsbruck, legt in einer aktuellen Publikation eine neue Interpretation der „Geburtsstunde Europas“ vor. Seine Analyse zeigt: Der persische Angriff auf Griechenland im Ersten Perserkrieg (um 490 v. Chr.) spiegelt weniger den Expansionismus des achaimenidischen Imperiums als den aufkommenden Imperialismus Athens wider. Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen des FWF-Clusters of Excellence Eurasian Transformations und untersucht, wie imperiale Mächte die antiken Welten prägten und wie diese Perspektive unser Geschichtsverständnis bis heute beeinflusst.
Julian Degen, Althistoriker an der Universität Innsbruck, legt in einer aktuellen Publikation eine neue Interpretation der „Geburtsstunde Europas“ vor. Seine Analyse zeigt: Der persische Angriff auf Griechenland im Ersten Perserkrieg (um 490 v. Chr.) spiegelt weniger den Expansionismus des achaimenidischen Imperiums als den aufkommenden Imperialismus Athens wider. Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen des FWF-Clusters of Excellence Eurasian Transformations und untersucht, wie imperiale Mächte die antiken Welten prägten und wie diese Perspektive unser Geschichtsverständnis bis heute beeinflusst.

Die Abwehr der persischen Invasion durch die Athener im Jahr 490 v. Chr. wird häufig als Schlüsselmoment der Weltgeschichte interpretiert: Die Athener verteidigten ihre politische Ordnung und Freiheit gegen das Expansionsstreben der Perser. Dieses Narrativ formte die Gegensätze zwischen „Westen“ und „Osten“ sowie „Demokratie gegen Despotismus“ und schließlich die Idee, die Griechen hätten mit ihrem Abwehrkampf Europa und seine Werte verteidigt. „Problematisch ist jedoch, dass diese Sichtweise nahezu ausschließlich auf einer einzigen Quelle beruht: den Historien Herodots“, betont der Althistoriker Julian Degen.

Neuinterpretation eines welthistorischen Ereignisses

Herodot verfasste sein Werk am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., als der Peloponnesische Krieg (431–404 v. Chr.) die griechische Welt erschütterte und besonders Athens Umgang mit Verbündeten als brutale Machtpolitik wahrgenommen wurde. In einer interdisziplinären Analyse von Herodots Darstellung und altorientalischen Inschriften zeigt Julian Degen, dass Herodot vergangene Ereignisse aus der Gegenwartsperspektive seiner Zeit darstellt: Die von ihm geschilderten Perser handeln ähnlich, wie Athen zeitgenössisch agierte. Dadurch wird die Erzählung zur impliziten Kritik an imperialer Hybris mit der Botschaft, dass das demokratische Athen sich zu einem Imperium wandelte, das dem des persischen Großkönigs ähnelt. Die Freiheit, die Athen einst verteidigte, entzog es später anderen Griechen. Herodots Werk verdeutlicht, wie die Gegenwart die Sicht auf die Vergangenheit prägt – und wie nah uns die Antike tatsächlich ist. Diese Neuinterpretation wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift The Classical Quarterly (Cambridge University Press) publiziert.

Imperien und ihr Einfluss auf die Geschichte

Imperien vernetzten die antiken Welten und prägten die Wahrnehmung historischer Ereignisse. Bis heute setzen sie markante Bezugspunkte in unserem Geschichtsbewusstsein. Die Erforschung von Imperien steht im Fokus des FWF-Clusters of Excellence Eurasian Transformations, an dem die Universität Innsbruck, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die Universität Wien und die Central European University beteiligt sind. In der Lehre an der Universität Innsbruck werden antike imperiale Strukturen vor allem in den Studiengängen Classica et Orientalia sowie Antike Welten beleuchtet. 


Zur Person: Julian Degen ist Assistenzprofessor am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik der Universität Innsbruck und Key Researcher im FWF-Cluster of Excellence Eurasian Transformations. Er erforscht antike Imperien mit vergleichenden und interdisziplinären Ansätzen, mit Fokus auf Machtpraktiken, Vernetzungen und kulturelle Transfers im eurasischen Raum.

Publikation: Herodotus on the Expedition of Datis and Artaphrenes: Athenian Imperialism Mirrored in the First Persian War. Julian Degen. The Classical Quarterly. 2025. DOI: 10.1017/S0009838825100876

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Kontakt

Julian Degen

Julian Degen
Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik
Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 41029
E-Mail: julian.degen@uibk.ac.at

Anna Maria Huber

Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 32023
E-Mail: 
 anna.huber@uibk.ac.at