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Hygienische Bedingungen in Pompejis frühen Bädern waren schlecht

Becken der ältesten öffentlichen Badeanlagen Pompejis aus der Zeit 130 vor Christus
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Eine neue Studie von Forschenden aus Mainz, Oxford, Berlin und Innsbruck zeigt, dass Pompejis frühe Bäder deutlich unhygienischer waren als lange angenommen. Geochemische Analysen von Kalkablagerungen aus Brunnen und Becken der Stadt enthüllen starke Verunreinigungen und geben Aufschluss über die antike Wasserversorgung in Pompeji. Der Innsbrucker Geologe Christoph Spötl war an der im renommierten Fachmagazin PNAS erschienenen Studie beteiligt.
Eine neue Studie von Forschenden aus Mainz, Oxford, Berlin und Innsbruck zeigt, dass Pompejis frühe Bäder deutlich unhygienischer waren als lange angenommen. Geochemische Analysen von Kalkablagerungen aus Brunnen und Becken der Stadt enthüllen starke Verunreinigungen und geben Aufschluss über die antike Wasserversorgung in Pompeji. Der Innsbrucker Geologe Christoph Spötl war an der im renommierten Fachmagazin PNAS erschienenen Studie beteiligt.

Die Stadt Pompeji wurde 79 n. Chr. durch einen Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Nun wurde anhand von Kalkablagerungen das Wasserversorgungssystem der Stadt rekonstruiert, der Fokus lag dabei insbesondere auf dem Übergang von Grundwasserbrunnen zu einem Aquädukt. „Die Thermen wurden ursprünglich über tiefe Brunnen samt Hebevorrichtungen versorgt und die hygienischen Bedingungen waren alles andere als ideal“, sagt Gül Sürmelihindi vom Institut für Geowissenschaften der Johannes- Gutenberg-Universität Mainz, Erstautorin der Publikation. „Im Laufe der Zeit wurden die Wasserhebeanlagen durch technologische Entwicklungen verbessert, bevor sie im ersten Jahrhundert nach Christus durch einen Aquädukt ersetzt wurden, der mehr und besseres Wasser lieferte und einen häufigeren Wasserwechsel in den Bädern ermöglichte.“ Um die antike Wasserversorgung zu rekonstruieren, untersuchte das internationale Forscher:innen-Team per Isotopenanalysen Karbonatablagerungen, die sich in verschiedenen Bereichen der städtischen Wasserinfrastruktur gebildet hatten: im Aquädukt, den Wassertürmen, den Brunnenschächten und den Becken der öffentlichen Thermen. „Wir haben die Kalkablagerungen mit einer Mikrofräse Schicht für Schicht beprobt und alle 0,2 Millimeter Material entnommen. Diese Mikroproben wurden isotopenchemisch mittels Massenspektroskopie analysiert: So entsteht ein hochaufgelöstes Bild der antiken Wasserqualität“, beschreibt Christoph Spötl, Leiter der Arbeitsgruppe für Quartärforschung am Institut für Geologie der Universität Innsbruck, die Vorgehensweise.

Geochemische Signaturen in den Kalkablagerungen 

Die Kalkablagerungen konservieren Veränderungen im Wasser erstaunlich präzise: „Mit den Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopenmessungen konnten wir nachvollziehen, wie sich die Wasserquellen und die Nutzung der Bäder über die Zeit verändert haben. Damit erhalten wir Informationen über die Nutzung dieser Wassersysteme, die sonst nirgendwo erhalten sind“, verdeutlicht Spötl. So konnten die Forscherinnen und Forscher beispielsweise große Unterschiede in der Bereitstellungsform des Wassers belegen. „Wir fanden kontrastierende Muster stabiler Isotope und Spurenelemente in den Karbonaten des Aquädukts und in denen der Brunnen“, erklärt Sürmelihindi. Anhand dieser unterschiedlichen geochemischen Eigenschaften konnte das Team die Herkunft des Badewassers bestimmen und Rückschlüsse auf das Wassermanagementsystem Pompejis sowie auf Qualitätsveränderungen des Wassers ziehen. Die Brunnen zapften stark mineralisiertes Grundwasser aus vulkanischen Ablagerungen an, das sich nicht nur bedingt als Trinkwasser eignete. Dieser Aspekt fügt sich gut in bereits bekannte Zusammenhänge ein: Während der Herrschaft des Augustus wurde in Pompeji der Aquädukt gebaut, wodurch Quellwasser von Trinkwasserqualität in deutlich größerer Menge in Pompeji verfügbar wurde.

Verunreinigtes Wasser

„In den sogenannten Republikanischen Bädern – den ältesten öffentlichen Badeanlagen der Stadt, die aus vorrömischer Zeit um 130 v. Chr. stammen – konnten wir mittels Isotopenanalyse nachweisen, dass das Badewasser aus Brunnen stammte und nicht regelmäßig erneuert wurde. Daher entsprach der hygienische Zustand nicht den hohen Hygienestandards, die man üblicherweise den Römern und ihrer Badekultur zuschreibt. Vielmehr sprechen die Kohlenstoffisotopenverhältnisse für hohe organische Verunreinigung des Badewassers“, erklärt Sürmelihindi. Vermutlich wurde es nur einmal täglich gewechselt, was laut Sürmelihindi nicht verwunderlich wäre: „Schließlich wurden die Bäder mit einer Wasserhebemaschine versorgt, die von Sklaven über eine Art Tretrad angetrieben wurde.“
Die Forschenden fanden zudem erhöhte Konzentrationen von Blei, Zink und Kupfer in den Kalkablagerungen der Bäder, was auf eine Schwermetallbelastung des Badewassers hindeutet. Das legt die Vermutung nahe, dass Kessel und Wasserleitungen ausgetauscht wurden, wodurch die Schwermetallkonzentrationen anstiegen. Der Anstieg der stabilen Sauerstoffisotope zeigt zudem, dass die Becken in den Republikanischen Bädern nach der Sanierung wärmeres Wasser hatten.

Hinweise auf vulkanische Aktivität?

Zudem entdeckten die Forschenden eigentümliche, zyklische Muster im Kohlenstoffisotopenverhältnis der Kalkablagerungen in den Brunnen. Eine mögliche Ursache könnte in der schwankenden Menge an vulkanischem Kohlendioxid im Grundwasser liegen – diese Zyklizität könnte somit Aufschluss über die Aktivität des Vesuvs vor dem Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. geben.
 
 
Publikation:
Gül Sürmelihindi et al., Seeing Roman life through water: Exploring Pompeii’s public baths via carbonate deposits, PNAS, 12. Januar 2026,
DOI: 10.1073/pnas.2517276122




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Kontakt

Christoph Spötl DE

Univ.-Prof. Dr. Christoph Spötl
Institut für Geologie
Universität Innsbruck
Christoph.Spoetl@uibk.ac.at
quaternary.uibk.ac.at

Mag. Melanie Bartos
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 32021
Mobil: +43 676 8725 32021
E-Mail: melanie.bartos@uibk.ac.at