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Kostbare Klosterbibliotheken gut aufgehoben

Zwei Servitenbibliotheken gingen als Schenkung an die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Die „Nashornkuh von Madrid“ war das zweite bekannte Rhinozeros, das lebend in Europa gezeigt wurde. 1577 nach Portugal gebracht, ging es in den Besitz des spanischen Königs Philipp II. über, der das „Wunder von Lissabon“ in Madrid zur Schau stellte. Hier erwarb Adam Hochreiter, Kammerherr von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, auf der Suche nach Exotica für die Sammlung seines Herrn auf Schloss Ambras ein naturnahes Aquarell des blinden und hornlosen Tiers. Dieses Souvenir überdauerte in seinem Reisetagebuch und gehört als realistische Darstellung nach dem lebenden Vorbild zu den seltenen und besonders aussagekräftigen Bildzeugnissen dieses Tieres aus dem 16. Jahrhundert. Aquarell auf Papier 185 × 250, in: Herrn Adamen Hochreithers Schiffart und Reyss […], Adam Hochreiter 1578–1595 (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. Serv. I b 42).
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Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol) konnte im vergangenen Jahr zwei historische Bibliotheken aus dem Umfeld des Servitenordens übernehmen. Die Bestände, darunter auch Jahrhunderte alte Handschriften und wertvolle Inkunabeln, werden dauerhaft an der Universität aufbewahrt und sukzessive erschlossen und digitalisiert. Sie sind wichtige Quellen für die Ordens-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte Tirols.

„Wir sind sehr dankbar, die historischen Bibliotheken der Servitenkonvente von Innsbruck und Volders in unsere eigenen Bestände übernehmen zu können. Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol kann damit ihr Profil als eine zentrale Gedächtnisinstitution des Landes weiter stärken“, betont Bibliotheksleiterin Eva Ramminger die Bedeutung der Schenkungen. Wesentliche Beweggründe für die geschenkweisen Überlassungen waren der Wunsch nach einer fachgerechten Betreuung der Bücher sowie nach optimalen konservatorischen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig stand das erklärte Ziel im Mittelpunkt, die wertvollen Sammlungen für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für die ULB Tirol bedeuten diese historischen Bibliotheken eine außerordentliche Bereicherung, die mit Verantwortung für Erhalt, Erschließung und Zugänglichmachung einhergeht: „Insbesondere ihre vielschichtige Herkunftsgeschichte und die weitreichenden Bestandsverflechtungen erweitern die Altbuchbestände in inhaltlich wie auch kulturhistorisch wertvoller Weise“, verdeutlicht Peter Zerlauth von der Abteilung für Sondersammlungen der ULB Tirol.

Historische Bibliothek des Innsbrucker Servitenkonvents

Die Servitenbibliothek Innsbruck geht auf die Stiftung des Konvents im Jahr 1611 durch Anna Caterina Gonzaga, die zweite Gemahlin Erzherzog Ferdinands II., zurück und wurde insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert durch bedeutende Legate Tiroler Persönlichkeiten erweitert. Die umfangreiche Druckschriftensammlung, die auch über 200 wertvolle Inkunabeln enthält, beeindruckt durch die Vielzahl der in ihr vertretenen Wissensgebiete. Hervorzuheben sind ferner rund 500 Handschriften aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.
Bereits 2008 wurde die historische Bibliothek des Innsbrucker Servitenkonvents als Dauerleihgabe der ULB Tirol übergeben. Der im Dezember 2025 besiegelte Vertrag legt nunmehr fest, dass diese Sammlung in eine Schenkung umgewandelt wird.

Historische Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders

Ein weiterer bedeutender Zuwachs erfolgte 2025 mit der Schenkung der historischen Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders nach der Auflassung der dortigen Ordensniederlassung. Die Anfänge der Bibliothek reichen in die Frühzeit des Klosters zurück, das Ende des 17. Jahrhunderts neben der bereits bestehenden Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus errichtet wurde. Der zeitliche Schwerpunkt der Büchersammlung liegt im 18. Jahrhundert, ergänzt um zahlreiche Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie aus jüngerer Zeit. Die Bibliothek spiegelt das geistige Profil eines frühneuzeitlichen Ordenskonvents wider und umfasst neben theologischer Literatur u.a. auch Werke aus Rechtswissenschaft, Geschichte, Medizin, Philologie und Belletristik. Buch- und regionalhistorisch bedeutend sind die vielzähligen Vorprovenienzen, darunter das wertvolle Legat des Servitenpaters Caspar Maria Künigl (1699–1770) sowie Bestände aus Adelsbibliotheken und Büchersammlungen anderer Klöster.

Beide Sammlungen sind bedeutsame Zeugnisse für das historische Wirken des Ordens in Tirol und repräsentieren wertvolles schriftliches Kulturgut.

Kulturerbe wird digital

Derzeit werden die unikalen mittelalterlichen Handschriften im Rahmen eines drittmittelgeförderten Projektes (Förderprogramm „Kulturerbe digital“ 2024–2026 des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport aus Mitteln des EU-Fonds NextGenerationEU) in Kooperation mit dem Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für Forschung und Öffentlichkeit inhaltlich erschlossen und digital zugänglich gemacht.

Als Dank für die großzügige Überlassung dieser umfangreichen und für die Kulturgeschichte des Landes sehr bedeutsamen Sammlungen lud die Leiterin der ULB Tirol, Eva Ramminger, die Vertreter der Provinzleitung, P. Anthony Raj OSM und Fr. Fero Bachorik OSM, zu einem Empfang in die ULB Tirol. Im Rahmen des Besuches wurden den Ordensvertretern nähere Erläuterungen zu den Beständen und deren heutiger Verwahrung sowie Einblick in gegenwärtig bereits umgesetzte Erschließungs- und Digitalisierungsarbeiten zu den Handschriftenbeständen des Innsbrucker Konvents geboten.

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